Kreativität braucht Authentizität

Wenn ich mich nicht einmische, habe ich Angst, dass mich die Muse nicht mehr küsst.

So oder so ähnlich hörte ich Wolf Biermann heute im Radio. Wolf Biermann, Liedermacher und Lyriker immigrierte 1953 in die DDR und durfte nach einer Konzerttour in Westdeutschland nicht wieder einreisen. Er war für die DDR-Führung unbequem und da er seine Meinung auch als Künstler vertrat, war er wohl nicht nur unbequem, sondern richtig lästig. So jemanden wollte die SED nicht im Land haben. Das nur ganz grob zum Hintergrund.

Als ich ihn da heute Morgen hörte, machte mich sein Satz nachdenklich. Authentizität ist ja MEIN Thema. Aber so habe ich es noch nie betrachtet. Was er sagte, kann man ja auch so formulieren: “wenn ich nicht ich selbst sein kann, geht mir höchstwahrscheinlich meine Kreativität flöten”. Im Umkehrschluss: er kann eigentlich nur kreativ sein, wenn er er selbst ist.

Und geht das nur ihm so? Nein, sicher nicht. Viele Kreative fragen sich, wie sie dauerhaft ihr kreatives Potenzial entfalten können. Kreativität kommt nicht unbedingt, wenn Du es willst. Sie lässt sich nicht zwingen. Obwohl eine gewisse Routine und Disziplin auf jeden Fall hilfreich sind.

Für Biermann geht Kreativität nur, solange er seine Werte offen vertreten kann und das heißt eben auch, dass er sich einmischt, dass er authentisch bleiben kann.

Warum ist das so wichtig? Dafür gibt es meines Erachtens 3 Gründe:

Du kannst nur etwas wirklich Eigenes schaffen, wenn Du:

  • bei Dir bist. Kreativität heißt, etwas Eigenes zu schaffen. Ideen finden, die aus Dir selbst kommen. Dass das leichter geht, wenn Du bei Dir bist, also Dich nicht verstellen musst, ist klar.
  • keine wesentlichen Bestandteile des eigenen Ichs leugnest. Für Biermann ist es offenbar so wichtig mitzumischen, sich einzubringen, dass er dieses Einmischen nicht sein lassen kann, ohne ein anderer Mensch zu werden. Dann wär er nicht mehr der Biermann, wie wir ihn kennen, wie er sich kennt, mit der drohenden Folge: “Kreativitätsstopp”.
  • nicht versuchst, nach fremden Maßstäben kreativ zu werden. (Ich mach jetzt mal was ganz Braves, aber eigentlich bin ich der totale Rebell.) Das kreative Werk fällt auf Dich als Erschaffer zurück. Es muss also Deine Werte, Deine Herangehensweise, Deine Maßstäbe widerspiegeln. Du musst Dich damit identifizieren können, um auch gern oder sogar stolz als Urheber aufzutreten. Du musst freudig sagen können, ja, das habe ich gemacht und dazu stehe ich. Ansonsten ist es entweder ein anonymes Werk (z. B. aus politischen Gründen) oder eines, das Dir peinlich ist, von dem Du Dich lieber distanzieren möchtest. Auch das kann vorkommen, aber eine solche Kreativität wäre für Dich als Erschaffer zumindest nutzlos, wenn nicht gar schädlich.

Kreativität hat also offenbar eine Voraussetzung. Du musst zuallererst Du selbst sein. Mit Dir im Reinen sein.

Kommt es daher, dass vor allem große Freude aber auch großes Leid einen so kreativ machen? Dann, wenn für nichts anderes mehr Raum ist außer für die eigenen Gefühle, sind Menschen oft besonders kreativ. (Die Songs im Radio, die so oft von der einzig wahren Liebe oder auch der großen Sehnsucht nach dieser handeln.)

Was heißt das für uns? Für Dich für Mich?

Kreativität geht nicht einfach so. Es ist eine Kraft, die erst richtig wirken kann, wenn Du bei Dir bist. Vielleicht auch eine, die Dir hilft, zu Dir zu kommen. Und eine Kraft, die Dich unterstützt, bei Dir zu bleiben und Dich weiterzuentwickeln. Dann wäre Kreativität also auch eine Hilfe. Ein Mittel, um Dich weiterzuentwickeln. Denn Kreativität schärft auch den Blick. Auf Dich, auf die Welt, auf das, was Du beitragen möchtest.

Na, wenn das keine Einladung ist, mal wieder kreativ zu werden!

 

Und Du? Was bedeutet Kreativität für Dich? Hast Du sie bisher mit der eigenen Persönlichkeit in Verbindung gebracht oder sagt Dir dieser Ansatz gar nicht zu? Ich freu mich, zu lesen, was Du darüber denkst.

 

 

 

 

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